Videos aus dem Bildarchiv: Interview mit Adam Riggs, Geschäftsführer Shutterstock
Shutterstock war eine der ersten Stockfotoagenturen, die auch Videoclips mit ins Angebot aufnahm. Das heißt, man kann heute auch ohne teure Eigenproduktionen hochwertige Videos auf seinen Webseiten einsetzen.
Herr Riggs, was bewegte Ihre Agentur zum Einstieg in den Videomarkt?
Shutterstock ist in der Kreativwelt weithin als attraktive Quelle für lizenzfreies Bildmaterial bekannt. Von daher war es für uns, unsere Kunden und Bildlieferanten eine natürliche Fortentwicklung, auch im Bewegtbildmarkt aktiv zu werden.
Herr Riggs, woher bekommen Sie die oftmals hervorradenden Video-Clips?
Wir verfolgten dabei einen Ansatz, der sich schon in unserem Fotogeschäft bewährt hat: Shutterstock bezieht sein Footage-Material per Crowdsourcing, d.h. über Einsendungen von Filmern aus der ganzen Welt, und bietet im Gegenzug seinen Kunden ein bezahlbares Preismodell.
Mit diesem Ansatz haben wir Anfang des Jahrtausends Fotos eine ganz neue Käufergruppe – Unternehmen mit kleineren Budgets – für den Stockfotomarkt gewonnen. Genauso ermöglichen wir es jetzt Videomaterial-Käufern, auf eine große Auswahl von preisgünstigen Clips zuzugreifen, ohne die Einschränkungen in Vielfalt und Preis, die sie bei herkömmlichen Stockvideoagenturen vielfach vorfanden.
Was die Bildlieferanten betrifft, so hat Shutterstock einen neuen Markt für eine Vielzahl von Videofilmern erschlossen, vom erfahrenen Profi bis hin zum ambitionierten Amateur. Diese können ihre Clips auf der Shutterstock-Plattform an Käufer auf der ganzen Welt vertreiben.
“Tickt” der Video-Markt anders als der Fotomarkt? Wo sehen Sie Unterschiede, Herr Riggs?
Im Vergleich zum Fotomarkt ist der Bewegtbildmarkt natürlich noch klein. Aber genau wie in den frühen Tagen des Stockfotomarkts, als „Microstock“ (= lizenzfreies Bildmaterial) den Markt eroberte, wächst der Stockvideomarkt schnell und hat großes Potential. Wir sehen nicht nur in den USA eine natürlich Abwanderung vom traditionellen Stockvideo-Markt (mit Exklusivrechten und Hochpreispolitik) in den lizenzfreien Markt.
Da wir die erste Online-Bildagentur waren, die lizenzfreies Stockvideomaterial anboten, gab es für die Markterschließung keinerlei Modelle.
So haben wir anfangs unser Footage-Material beispielsweise in Form von Einzelclips verkauft, obwohl wir im Fotomarkt auschließlich mit Abonnements arbeiten. Wir dachten, dass die Clips teurer sind als ein Einzelfoto (im Schnitt 10 Euro pro Clip) und daher Abonnements Käufer abschrecken könnten.
Tatsächlich haben wir schnell lernen müssen, dass unsere Kunden auch im Videogeschäft ein Abomodell bevorzugen, da es den Preis der Clips bei höheren Abnahmemengen senkt und unsere Kunden so günstigere Videos produzieren konnten. Um weiterhin flexibel zu bleiben, bieten wir die Videoclips jetzt in beiden Formen, Einzel-Download und Abonnement, an.
Herr Riggs, wer sind Ihre wichtigsten Stockvideo-Käufer?
Zu unseren Abonnenten zählen Produzenten von B2B-Videos und Internet-TV, Werbeproduzenten, Marketingagenturen, Webentwickler, TV-Produzenten, Filmproduzenten, Rundfunknachrichtensender, Filmemacher und Unternehmer – jede Zielgruppe, die für ihre Geschäftstätigkeit hochwertige, lizenzfreie Videoclips benötigt. Wir sehen definitiv eine hohe Nachfrage nach vorproduziertem Videomaterial.
Gibt es besonders beliebte Einsatzgebiete für Stockvideos?
Momentan sehen wir den Einsatz von Stockvideos vor allem im Internet-TV, on Video-Pressemitteilungen, Unternehmensvideos, Marketingpräsentationen, News-Videos, Film- und TV-Produktionen und in Blogs. Das Einsatzgebiet für Video-Content erweitert sich laufend.
In den USA nutzen bereits viele Rundfunkorganisationen Videoclips von Shutterstock.
Sehen Sie eine ähnliche Entwicklung auch in Europa?
Der europäische Markt ist für uns einer der wichtigsten Märkte im Stockfoto- und Videogeschäft. Wir haben in Europa bereits eine breite Basis von Kunden im Werbe-, Marketing- und Mediensektor und sind überzeugt davon, dass auch die Rundfunkunternehmen die Preis- und Qualitätsvorteile von Microstock-Videos bald erkennen werden.
Mit Stockvideos können Videoproduzenten bares Geld sparen.
Gibt es Schätzungen, wie hoch dieses Potenzial für Sie ist?
Das ist schwierig einzuschätzen, weil es noch wenige Zahlen dazu gibt. Generell ist die Eigenproduktion sicherlich teurer als der Einsatz von Stockvideomaterial:
Stellen Sie sich vor, Sie müssten jemanden eigens an einen Drehort schicken, um einige Szenen abzudrehen, und müssen dann noch mit schlechtem Wetter rechnen. Gerade bei Standard-Bildsequenzen wie z.B. einem windverwehten Feld mit Windrädern kann es sinnvoller sein, das Filmmaterial in Form von fertig gedrehten Videos zu kaufen. Bei Shutterstock kostet solch ein Videoclip zwischen 10 und 50 Euro und ist zu jeder Zeit und in jeder Auflösung verfügbar.
Sie sind im Lauf Ihrer Geschäftstätigkeit weit gereist.
In welchen Märkten sehen Sie die größten Chancen für Stockvideos?
Das größte Wachstum für digitales Video ist weiterhin auf YouTube zu erwarten, genauso stark jedoch in der Unternehmenskommunikation, den Medien, dem Unterhaltungssektor und in Blogs. Mit der Verbreitung des Bewegtbilds steigt auch die Nachfrage nach bezahlbarem, hochwertigem Stockvideomaterial rapide an, besonders im Internet.
Kleiner Blick in die Zukunft: Wie wird der Stockvideo-Markt in zwei Jahren aussehen?
Die Unternehmen werden zunehmend das Bewegtbild nutzen, um ihre Webseiten ansprechender und interaktiver zu machen und um ihre Produkte online besser zu vermarkten. Die wirtschaftliche Stagnation treibt außerdem viele Online-Medien, TV-Netzwerke, Produktionsgesellschaften, Werbe- und Marketingagenturen dazu, nach günstigeren Alternativen zur Eigenproduktion von Footage-Material oder zu den traditionellen Stockvideo-Angeboten zu suchen.
Wie reagiert Shutterstock auf diese Marktentwicklung?
Wir stocken unser Stockvideo-Angebot wöchentlich um 1.000 neue Clips auf und haben kürzlich die 120.000-Clip-Grenze überschritten. Sollte die Nachfrage noch schneller steigen, können wir unsere Fotografen-Basis – und damit auch unsere Videosammlung – jederzeit noch weiter ausbauen. Wichtig ist, dass wir dabei die hohen Standards beibehalten, die uns im Fotomarkt erfolgreich gemacht haben: hohe Qualität, eine benutzerfreundliche Webseite und ein gutes Preisleistungsverhältnis.
Herr Riggs, herzlichen Dank für das Interview!
Kontaktinformationen: Shutterstock.com
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